Diese sehr gute und übersichtliche Darstellung der irischen Folkmusik wurde mir freundlicherweise von Dani Messer zur Verfügung gestellt. Dani ist Fiddlerin und leitet in Hamburg die Learner Session.

 

Hier sind gut verständlich die Grundzüge der irischen Musik erklärt und auch alte Hasen berichteten mir, dass sie darin interessante Zusammenhänge gefunden haben.

 

Das musikalische Irisch

 

Es gibt hunderte verschiedene Musikstile und -richtungen: Klassik, Jazz, Klezmer, Pop, Latin... man könnte sie als “Sprachen” bezeichnen mit jeweils eigener Grammatik und eigenen Wörtern. Einer davon ist die “keltische” Volksmusik hauptsächlich aus Irland und Schottland, um die es hier gehen soll.

 

Wie jede Volksmusik ist sie von Laien für Laien. Natürlich gibt es großartige Musiker und Lehrer, die die Volksmusik vielleicht sogar zum Beruf gemacht haben; es gibt hier aber keine staatliche Ausbildung wie für die Klassiker. Die allermeisten Volksmusiker spielen aus Spaß an der Freud und jeder entscheidet selber, wie groß die eigene musikalische Leistung und technische Kunstfertigkeit sein soll, wie viel er übt, bzw. wie groß der Anspruch an sich selber ist. Es ist nicht Sache der Volksmusik ein qualitatives Niveau vorzugeben: Jeder spielt gemäß seiner Fähigkeiten und wird durch viel Praxis besser. Tief hinein kommt man ganz von selber, wenn man viel Sessionatmosphäre genießt und dabei von anderen abguckt oder sich abhört. Aufmerksam zuhören ist mindestens genauso wichtig wie Üben. Richtige Kurse und Unterricht gibt es natürlich auch z.B. auf den SummerSchools oder Festivals in Irland; auch in Deutschland werden Wochenenden angeboten, z.B. Proitzer Mühle, Burg Fürsteneck. Aber es ist gar nicht so schwer, sich die Handhaltung und Spieltechnik des Instruments intuitiv und durch Ausprobieren beizubringen oder von Mitmusikern zu kopieren. Hauptsache man bleibt offen für neue Griffe/Töne/Tonarten/Tunes/... und hört nie auf zu lernen, dann bleibt die Volksmusik lebendig. In Sessions in Pubs oder Kneipen tauschen wir uns dann aus.

 

Hier finden wir zwei verschiedene Schwerpunkte: die Songs und die Tunes.

 

Songs: Irland hat eine große Sing-Tradition, besonders zu beobachten beim Sean-nos Gesang, einem spontan vorgetragenen, meist unbegleiteten Gesang in irischer Sprache. Solche Sänger werden in der Bevölkerung hoch angesehen. Aber natürlich wird allen Arten von Songs mit Freuden gelauscht. In Pubs finden sie ihr Publikum, und wenn die Stimmung ausgelassen ist, gibt jeder gerne seinen Lieblingssong zum Besten. Oft ohne Backing; falls es ein bekannter Song ist werden ihn die Sessionmusiker einfühlsam begleiten. Während eines Gesangs wird von allen Anwesenden respektvolle Stille erwartet, es sei denn, ein lebhafter Refrain erfordert stimmliche Verstärkung. Hier wird das Publikum nicht zögern und dem Sänger nach Kräften zur Seite stehen.

 

Tunes: Diese sind ursprünglich Tanzmusik und werden in Pubs in den oben genannten Sessions gespielt. Der Ire hört zu, plaudert mit den Freunden und trinkt dazu sein Pint - manchmal wagt er auch ein Tänzchen. Die Tunes = Tanzmelodien bringen sich Musiker gegenseitig bei oder hören während der Session die Melodie ab (das ist was für Geübte) - das ganze erklingt jedenfalls ohne Noten oder Arrangements.

 

Wie oben erwähnt sind die irischen Tunes - wie jede Volksmusik - eine Sprache unter vielen. Manche Musiker unterscheiden innerhalb von Volks- oder Weltmusik kaum die einzelnen “Sprachen” voneinander, sie reihen Melodien aller Länder aneinander - je bunter desto besser. Das hat sicherlich seinen eigenen Charme, hat aber oft zur Folge, dass sich Wortschatz und Grammatik der musikalischen Sprachen vermischen und abschwächen.

 

Ursprünglicherweise findet man beim Irischen aber die ganz besonderen Eigenheiten, die im Folgenden kurz beschrieben werden.

 

 

Instrumentierung

 

Die Melodieinstrumente steuern die eigentlichen Tunes bei, d.h. hier ist viel Arbeit beim Auswendiglernen gefordert:

 

Flute (Holzquerflöte), Whistle, Uillean Pipes (irischer Dudelsack) sind die Blasinstrumente. Sie sind nicht gleichstufig gestimmt, d.h. einige Töne weichen leicht von den Tonfrequenzen unsere heutigen Musik ab. Sie geben der Musik die von Klassikern empfundene unsaubere Intonation, bzw das irische Flair :o) Alle Töne tiefer als das eingestrichene D müssen nach oben oktaviert werden, einige Halbtöne (seltene, zugegeben) sind nicht oder nur schwer spielbar.

 

Tenorbanjo (4-saitig), Mandoline sind Zupfinstrumente, die im Gegensatz zu den Bläsern zwar alle Töne an Bord haben, aber leider keine langen Noten spielen können. Die Mandoline hat es eher schwer, eine Session lautstärkemäßig zu durchdringen. Das gelingt dem Banjo mühelos, es hat aber als klitzekleiner Nachteil ein ziemliches Gewicht, d.h. längere Wegstrecken mit dem Kasten am Arm vermeidet man von ganz allein.

 

Die Geige = Fiddle, verfügt über den vollen Tonumfang und kann auch lange Tönchen spielen, stellt an den Spieler aber erhebliche technische Ansprüche.

 

Die Quetschenfraktion besteht aus diatonisches Knopfakkordeon, Akkordeon, Concertina. Die Iren lieben diatonische Akkordeons, also welche mit auf Druck und Zug unterschiedlichen Zungen, weil das dadurch notwendige lebendige Balgspiel der Musik eine besondere Dynamik gibt. Pianoakkordeons findet man selten, weil abgesehen von der unirischen Balgtechnik das Instrument eine zu satte Klangfarbe hat.

 

Die Begleitinstrumente wie Bouzouki, Gitarre, selten Harfe, gibt es in der irischen Musik erst seit ca 60 Jahren. Sie haben es etwas einfacher als die Melodiespieler, weil sie die Tunes nicht Ton für Ton spielen müssen. Beim Set-Parcour haben sie sozusagen keine Hindernisse mehr, müssen aber den Bodenweg = Verlauf eines Tunes sehr wohl kennen, um ihn begleiten zu können. Die irische Bouzouki (verwandt mit der griechischen) hat naturgegeben eine offene Stimmung, die Gitarren benutzen dieselbe auch gerne, sind aber natürlich nicht dazu verpflichtet. Die Begleitung von Irischen Tunes ist abwechslungsreicher und interessanter als bei anderen Volksmusiken und heutiger Popmusik, denn Tunes haben oft unvorhergesehene Wendungen.

 

Bodhran, die irische Rahmentrommel, macht viel Spaß und hat es am leichtesten: Sie braucht nur einige rhythmische Patterns zu lernen. Kann man diese im richtigen Tempo anwenden, ist man fit für jede Session und kann auch unbekannte Tunes mitspielen. Auf ihr lässt sich eine erhebliche Kunstfertigkeit erlangen: Könner ihrer Zunft sind in der Lage, Basstöne zur Session beizusteuern und fast ein ganzes Schagzeugset simulieren. Leider darf der Trommelsound in der Session nicht überwiegen, daher müssen sich mehrere Bodranspieler mit dem Spiel abwechseln.

 

Einsteigern sei die - als billiges Touri-Instrument völlig unterschätzte - Whistle ans Herz gelegt. Sie kostet nur ein Taschengeld und man kann alles auf ihr lernen, was den Irish Folk ausmacht. Man könnte später von der Whistle leicht zur Flute oder Pipes wechseln, da die Griffe gleich sind. Muss man aber nicht, weil die Whistle ein wunderbares Instrument ist, auf dem sich Tunes in großer Schönheit und Vollkommenheit spielen lassen.

 

** aus der Feder von Dani Messer, Fiddlerin und Leiterin der Learner Session in Hamburg **

 

 

Der Rhythmus

 

Der Rhythmus ist der Mittelpunkt, vielleicht mehr noch als bei allen anderen Volksmusiken Europas. Es ist ein gerader Rhythmus, der allerdings durchgängig ziemlich schnell gespielt wird. Exaktes Spiel ist essenziell. Dagegen findet man kaum Synkopen und keine ungeraden Rhythmen (z.B. 5/4).

 

Besonders auffällig ist der schnelle Rhythmus bzw. das „Brechen“ der Melodie in Achtelmuster. Ungewohnten Ohren kommt es fast so vor, als würde die Melodien im “Zeitraffer” gespielt. Im Unterschied zu den meisten anderen Musikstilen geben Trommeln und Backing-Instrumente hier keinen Puls vor, sondern die Melodie-Instrumente sind die primären Rhythmusträger.

 

** aus der Feder von Dani Messer, Fiddlerin und Leiterin der Learner Session in Hamburg **

 

 

Die Harmonik

 

Die Melodien sind aufwendig und detailliert. Die gleiche Menge an Noten hätte für Komponisten des „Kontinents“ vermutlich für eine ganze Symphonie gereicht. Die Textur der Melodien enthält mehr Intervallsprünge als andere Musikstile. Daher werden auch erfahrene Instrumentalisten verwundert feststellen, dass man während des Spiels etwa zweieinhalb Oktaven Töne (Geigen, Banjos... ; alles 1. Lage, juhu) bzw. 1 Oktave + 1 Quinte bei Whistles, Flutes und Pipes spieltechnisch quasi gleichzeitig zur Verfügung haben sollte und richtig flink über’s Griffbrett flitzen muss, um einen Tune lässig zu spielen.

 

Es kommen nicht alle Tonarten im Irish Folk vor. Viele Tunes sind in D-Dur, da es dem Tonumfang der Pipes und Flutes entspricht. Sonst auch G-Dur und die verwandten Moll-Tonarten. Man findet in der Regel Tonarten bis max. 3 Kreuzen, manchmal sogar mit einem “b”.

 

Dafür (Achtung, Gitarristen aufgepasst) ist die klassische Einteilung der Harmonik in Dur und Moll für Tunes oft ungeeignet. Tunes changieren gerne zwischen diesen beiden Harmonien sowie weiteren Kirchentonarten (z.B. Mixolydisch). Daher können Begleitinstrumente wie Bouzoukis und Gitarren ein neues Spektrum an Griffen und Tonarten entdecken. Alle offenen Stimmungen kommen dem Irischen sehr entgegen.

 

** aus der Feder von Dani Messer, Fiddlerin und Leiterin der Learner Session in Hamburg **

 

 

Der Klang

 

Irische Sessionmusik ist nicht so robust, wie es zunächst scheint und wie die fröhlichen Songs vermuten lassen. Die komplizierten Melodien müssen sauber unisono gespielt werden. Dazu sollte man sehr genau auf die Mitmusiker hören und dazu wiederum sollte der Raumklang so transparent wie möglich sein.

 

Der Ton irischer Musik ist schlicht und leicht: Kaum Dynamik, kein Vibrato oder so. Töne dürfen ungeglättet klingen, Kratzer, Quietscher oder ähnliches auch als Impuls gesetzt werden.

 

Das Spiel sollte fließen; Flöten trennen die Töne nicht über den Luftstrom - bitte diese klassische Art zu Blasen hier nicht anwenden. Der Luftstrom bleibt gleichmäßig und die Töne werden mit Verzierungen, z.B. einem Cut (Aufschlag der zweiten Note) getrennt. Geigen nehmen - von ein paar Ausnahmen abgesehen - viele Töne auf lange Bogenstriche.

 

Es gibt innerhalb des Sets kaum Modulationen (das rührt aus der Tanzmusik) oder Steigerungen (mal abgesehen von Tonartwechseln mit neuem Tune). Die Musik klingt relativ gleichförmig und unspektakulär. Die Herausforderungen, die diese Musik stellt, lassen sich als Zuhörer kaum erahnen.

 

** aus der Feder von Dani Messer, Fiddlerin und Leiterin der Learner Session in Hamburg **

 

 

Zusammenspiel in Sessions

 

Alle Melodieinstrumente spielen die gleiche Melodie unisono. Die Tunes werden spontan angespielt, man kann sich also im Gegensatz zu anderer Musik nicht vorbereiten!! Noten haben sich hier nicht bewährt, da ein Tune mit seinen 3 Wiederholungen nur ca 1 Minute dauert und vorüber sein wird, ehe man die Noten gefunden, aufgeschlagen und das Instrument ergriffen hat. Ganz abgesehen von diesem rein praktischen Aspekt, kommuniziert die Seele der Volksmusik direkt zwischen Ohr und Instrument - ohne Umweg über das Auge und die Notenblätter. Das macht nicht nur gefühlsmäßig einen riesigen Unterschied: Es werden auch unterschiedliche Gehirnhälften angesprochen.

 

Begleitinstrumente dürfen/müssen improvisieren. Dabei kommen sie sich auch ins Gehege. Um das zu vermeiden, sprechen sie sich ab oder suchen sich voneinander entfernte Plätze.

 

Ablauf: Ein Spieler beginnt ein Set - meist 3 Tunes hintereinander - zu spielen. Er behält solange die Führung, wie er Tune an Tune reiht. Manche Musiker spielen feste Sets, andere überlegen sich kurz vorher, welche Tunes tonartlich hintereinander passen, und die Profis können während des Spiels spontan in den nächsten Tune finden. Die Regel ist, dass jeder Tune dreimal gespielt wird, Single Reels gerne 4 mal, Hornpipes auch 2 mal, d.h. man ist in jedem Falle gut beraten gegen Ende des zweiten Tunes zu beobachten, ob der Lead-Spieler zu erkennen gibt, dass ein Wechsel folgt. Dann mit Spielen aufhören und lauschen, welcher Tune nun dran ist. Durch das Set leitet also jeweils ein Musiker. Das ist eine Herausforderung, schließlich ist man derjenige, auf den sich die anderen mehr oder weniger bewusst beziehen: Strauchelt man, fliegen oft auch alle anderen aus der Kurve. Ziemlich gemütlich hinwiederum kann es sein, einfach mitzududeln und sich an den Leader dranzuhängen. Allerdings muss man dann halt warten, bis die “richtigen” Tunes gespielt werden, also die, die man mitspielen kann. Kommen sie nicht dran, hilft nur eines: Selber ein Set anfangen.

 

Die irischen Sessions sind eine völlig demokratische Angelegenheit. Jeder kann mit jedem spielen. Am meisten lernt und profitiert man vom Zusammenspiel mit guten Musikern. Eine Session ist das Ganze, wo sich alle einbringen können und sollen. Allerdings scheidet das Tempo oft die Fortgeschrittenen von den Anfängern, weil sich hier oft einfach eine große Geläufigkeit zeigt, der in vielen Fällen jahrelanges Training zugrunde liegt. Bitte lasst Euch vom Tempo anderer nicht stressen. Spielt die Tunes in Eurer Geschwindigkeit und hört ansonsten lieber zu. Ihr könnt nämlich durch aufmerksames Zuhören und vielleicht sogar innerlichem Mitsingen den Tune schon mal ein bisschen vorlernen, bevor ihr ihn am Instrument erprobt.

 

Einen Tune auch mal langsam zu spielen ist für alle Musiker ein Gewinn, denn diejenigen, denen der Tune schon sehr geläufig ist, können langsam besser die Verzierungen üben oder Variationen und zweite Stimmen erfinden. Einen Tune hingegen schneller zu spielen, als man ihn kann, schadet der Spieltechnik als auch dem Selbstbewusstsein. Außerdem könnte die ganze Session wackelig und ungenau werden.

 

Die große Konstante in der irischen Musik ist der Puls. Einen einmal vom Leadspieler gesetzter Puls teilen alle Spieler miteinander und er sollte nicht verändert werden, denn sonst verliert die Musik enorm an Qualität. Falsche Töne oder fehlende Töne sind ok, mangelndes/fehlendes Timing nicht. Daher empfiehlt es sich, möglichst in Bogenschlägen (s.u.) zu denken, damit zwischen den Bögen der Puls der Session durchscheinen kann.

 

 

Arten von Tunes

 

Tunes werden auf Grundlage ihrer Rhythmen eingeordnet. Ich zähle auf in Reihenfolge ihrer Häufigkeit:

  • Reel, schneller 4/4

  • Jig 6/8

  • Hornpipe, 4/4 etwas langsamer als Reel, punktiert gespielt

  • Polka 2/4 sehr schnell (je nach Region populär oder nicht)

  • Slip Jig 9/8

  • Waltz, Slow Air, Slow Reel, March, Mazurka

 

 

Die besondere Herausforderung am irischen Musizieren

 

Repertoire

 

Wie lernt man diese fast unmögliche Menge von Tunes und behält sie in seinem Kopf?

Lösung: Einer nach dem anderen.

 

Zum Trost: Die ersten erlernten Tunes bedeuten eine Menge Arbeit, weil man neben dem Lernen der Tunes selber auch das Melodiegedächtnis langsam trainiert. Das ist wie mit dem Gewichtheben in der Muckibude. Die ersten Gewichte scheinen furchtbar schwer, weil man die Übungen noch nicht gewohnt ist. Mit der Zeit lernen sich Tunes fast nebenbei.

 

Nächster Tipp: VIEL HÖREN. Genaues Zuhören spielt in der irischen Musik eine große Rolle. Viel Üben kann man sich dadurch ersparen, dass man in Sessions Tunes „ablauscht“. Das hat auch den Vorteil, dass man dadurch nicht nur die Melodie, sondern auch die Spielweise und die Verzierungen kopiert.

 

Das Tempo

 

Die Schnelligkeit verlangt vom Spieler, dass der Tune bzw. die Finger absolut geläufig sitzen.

Lösung: Der Ton wird so schlicht und leicht wie möglich gespielt. Die Melodie wird in schwere und leichte Töne unterschieden.

 

Meist ist im ersten Jahr das Tempo einer regulären Session zu schnell für Ungeübte. Sessions leben aber davon, dass Musiker aller Art zusammenspielen.

 

Ich würde für die ersten Sessions folgende Herangehensweise vorschlagen: Wer kein ausgeprägt solistisches Selbstbewusstsein hat, tut sich am besten mit netten Musikern ähnlichen Niveaus zusammen und lernt zusammen die gleichen Tunes. So hat er immer Rückhalt und kann sicherer die Sets anfangen. In einer hochkarätigen Session sich an ein Mitglied anschließen, das besonders häufig die gleichen Tunes spielt. Falls man selbst mit einem Set glänzen will, am besten drei, vier Tunes üben, bis sie wirklich gut sitzen. Diese sind in der Session viel mehr willkommen, als nur recht und schlecht gespielte. Einfach am Abend nur zwei exzellente Sets beisteuern und es sich den Rest der Session mit einem Bier gemütlich zu machen.

 

Die Verzierungen

 

- Roll (short, long) - Triplett - Cut -Slide

Diese erkläre ich in der Learner Session, bzw. auf Anfrage. Wem diese Verzierungen noch nicht reichen, möge einen Piper konsultieren.

 

Tricks zum Tempomachen: Keine unnötigen Wege: Finger so nah wie möglich am Griffbrett; keine unnötige Kraft, d.h. Finger nicht kraftvoll aufsetzen. Druck nur ausüben, wenn der Ton es wirklich erfordert.

 

Ganzer Körper: Fühlen, wo sitzen Blockaden? Wo fühlt sich was hart an? Womit hat man immer Probleme?

 

Oder: Wo fühlt sich etwas zu weich an? Wo scheint Kraft oder Energie zu versickern? Wo verschenkt man Bewegung, indem ein Gelenk zu weich ist? Wo kann man effektiver greifen, wenn man ein Gelenk versteift?

 

Üben mit Metronom: Eine bequeme Geschwindigkeit einstellen, sich dabei an der schwierigsten Stelle orientieren. Den Tune langsam und entspannt(!) durchspielen, bis die Melodie sitzt und bis alle schwierigen Stellen glatt gehen. Tempo beibehalten und genau auf das Metronom hören. Den Schlag zur Hauptsache machen, die einzelnen Töne zur Nebensache. Stelle dir Arkaden vor: Der Schag/Puls ist ein Pfeiler und die Noten sind die Bögen. Den Tune luftig spielen. Empfinde die Weite und Festigkeit der “Bögen” und konzentriere dich auf den Platz, der dazwischen ist.

 

Nun stelle das Metronom schneller. Singe den Tune in Gedanken mit und stimme dich auf das neue Tempo ein. Spiele wieder den Tune und versuche genau wie eben Gelassenheit und Festigkeit zu spüren. Koste den Platz zwischen den Tönen aus - ja da ist tatsächlich Platz dazwischen, Ehrenwort!

 

 

Gemeinsamkeiten mit und Unterschiede zur Klassik

 

Der Spieler tritt bei Folk als auch Klassik möglichst völlig hinter der Musik selbst zurück. Individuelle Interpretationen sind selten, es gibt z.B. im Grunde auch keine Soli. Wer sich im Tune langweilt, darf improvisieren, vorausgesetzt dass er die anderen nicht rausbringt. Bei dem Tempo und den schnellen Tonartwechseln eine echte Herausforderung! Die Königsklasse sozusagen. Im Allgemeinen gilt: Ein Spieler, der die technischen Anforderungen des Tunes so leicht und rhythmisch sauber wie möglich bewältigt - auch und gerade die VERZIERUNGEN - und obendrein noch schöne Variationen spielen kann, gilt als guter Musiker. Solche Musiker machen eine Session dann wunderbar kompakt, transparent und groovig.

 

Die klassische Musik basiert nicht auf einem verbindlichen, gleichbleibenden Puls/Beat. Tendenziell kann man sie sich eher als Textur vorstellen, ein musikalisch dichtes Gewebe, was Löcher und Lücken (notierte Pausen werden als unbespielt klingende Notation empfunden) nach Möglichkeit vermeidet. Dies ist im Irish Folk anders. Die Melodien werden nicht bis in alle Ecken und Winkel gleichmäßig ausgespielt, das würde den Tune zukleistern, behäbig und ungenau machen. Stattdessen werden die Töne je nach Puls und rhythmischem Pattern abwechselnd leicht und schwer gespielt, tänzelnd sozusagen, und zwischen den Beats Platz für den Klang der Mitmusiker gelassen. Schließlich gibt es keinen Dirigenten, der den Takt anzeigt. (Falls die Akustik schlecht sein sollte und man den Puls nicht richtig hören kann, gibt es noch den Trick, auf das wippende Bein/Fuß des Leadspielers oder eines Kollegen zu schauen.)

 

Es gibt natürlich noch unendlich viel mehr zu erzählen, aber wenn Euch das alles bis jetzt nicht abgeschreckt hat:

 

WILLKOMMEN IN DER IRISCHEN MUSIK!